Wie ein Mosaik entsteht

Als der Verein Das Mosaik e.V. vor 45 Jahren auf Initiative von deutschen und amerikanischen Frauen gegründet wurde, war nicht abzusehen, dass daraus eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art werden würde: die Entwicklung einer privaten Initiative zu einem mittelständischen Unternehmen mit über 2000 Beschäftigten.

Die Näh- und Bastelstubenzeit – 1965 bis 1980

Der Deutsch-Amerikanische Frauenclub von Berlin e.V. (DAFC e.V.), Keimzelle der Entwicklung, geht auf das Jahr 1950 zurück. Das Engagement des Clubs gilt nach wie vor der Förderung der deutsch-amerikanischen Verständigung sowie der Mitarbeit an gemeinnützigen, kulturellen und wohltätigen Aufgaben.

“Die Anfänge waren sehr schüchtern”, berichtet Ruth Makowski, Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende des Mosaik e.V. “Die Welfare Group des Deutsch-Amerikanischen Frauenclubs Berlin erfuhr 1965 von einer sehr engagierten Leiterin des Jugendwerkheimes Schmargendorf, dass sie sich Sorgen um die Zukunft einiger von ihr betreuten Behinderten mache. Nach den damaligen Bestimmungen mussten diese mit 25 Jahren aus dem Jugendwerkheim ausscheiden, fanden jedoch in den Anschlusseinrichtungen, den so genannten “Beschützenden Werkstätten” nur Aufnahme bei einer Arbeitsleistung von mindestens 30% derjenigen einesNicht-Behinderten. Was sollte aus denen werden, die zwar arbeits- und gemeinschaftsfähig waren, aber diese 30% nicht schafften?”, fragten sich damals die Gründerinnen.

1965 besuchte die Welfare-Gruppe des Clubs eine vom Senat eingerichtete Werkstatt für behinderte Jugendliche. Am 7. September 1965 wurde im Haus der amerikanischen Chairlady der Welfare-Gruppe, Mrs. Marianne Succhi, der Verein Das Mosaik e.V. gegründet, um hier notwendige Hilfe zu organisieren. In der Gründungsurkunde heißt es: “Der Verein bezweckt die Schaffung und Unterhaltung einer Tagesstätte zum Aufenthalt und zur möglichen Rehabilitierung geistig-körperlich behinderter Personen, insbesondere solcher, die in den städtischen Jugendwerkstätten nicht länger betreut werden können.”

Die Gründerinnen wählten den Namen Mosaik als Symbol für das große Ganze, bestehend aus kleinen Teilen. “Es sollte aus vielen kleinen, bunten Steinchen mit Geduld, mit Geduld, mit viel Geduld ein großes, lebendiges Bild geschaffen werden.”, erinnert sich Christel Hasenclever, ein langjähriges Mitglied des DAFC.

Nachdem der Verein unter der Nr. 3623 Nz beim Registergericht eingetragen war, wurde ein Ladengeschäft von den Damen und ihren Ehemännern renoviert und eingerichtet. Ab März 1966 konnten die ersten fünf Menschen mit Behinderungen in dem Laden ehrenamtlich betreut werden. Sehr bald kamen noch vier weitere Menschen mit Behinderung hinzu.

Eine Dame aus der Nachbarschaft erinnert sich: “Die deutschen und amerikanischen Damen der Welfare-Gruppe holten ihre Schützlinge in Privatwagen von zu Hause ab; eine Mutter bastelte und handarbeitete mit ihnen, andere brachten Kaffee und Kuchen. Diese Handarbeiten und Produkte wurden in der Welfaregruppe auf einem Basar verkauft.”

Werkstatt für Behinderte (WfB) – 1980 bis 1987

Seit dieser Zeit haben sich die gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen für Menschen mit Behinderungen ganz erheblich gewandelt. Dank des steigenden Angebots an Einrichtungen in gemeinnütziger Trägerschaft kann heute nicht nur besser auf individuelle Belange Rücksicht genommen werden, sondern das Arbeitsangebot ist auch professioneller ausgerichtet.

Als Dr. Hans-Joachim Peters 1984 vom Vorstand des in der sozialen Landschaft Berlins bereits etablierten Vereins zum neuen Geschäftsführer bestellt wurde, trat er seine Aufgabe mit der Vision an, Mosaik zu einem modernen Unternehmen entwickeln zu wollen.

Und dieses Vorhaben ist in beispielhafter Folge gelungen. Nachdem bis Mitte der 80er Jahre nur das Kerngeschäft der Werkstätten mit insgesamt 230 Beschäftigten bestanden hatte, wurden in den folgenden Jahren neue Geschäftsfelder entwickelt, die schließlich die Ausgründung der einzelnen juristischen Personen nach sich zogen.

Differenzierung der Geschäftsfelder – 1987 bis 1994

Bereits 1986 wurde der große Werkstattstandort am Askanierring in Spandau, unter Anwesenheit des damals amtierenden Bundespräsidenten Dr. Richard von Weizsäcker, eingeweiht. Zu Beginn der 90er Jahre wurde im Brandenburgischen Kuhhorst das Projekt Ökohof gestartet.

Nach Einrichtung einer Außenarbeitsgruppe bei der Firma Gühring, der Einrichtung des Integrationsfachdienstes sowie der Eröffnung des ersten Integrationsbetriebes (Restaurant Charlottchen), konnte 1991 mit der Eröffnung des Wohnheims Weserstraße auch der Grundstein für das differenzierte Wohnangebot von Mosaik gelegt werden. In schneller Folge wurden zusätzliche Wohngemeinschaften etabliert und ab 1992 schließlich auch der große Förderbereich mit seinen inzwischen rund 380 Fördergruppenteilnehmern aufgebaut.

Zeit der Neuordnung – 1994 bis 2009

Mit der Gründung der Mosaik-WfB gGmbH (1994), der Gründung der Ökohof Kuhhorst gGmbH (1995) und der Gründung der Mosaik-Services Integrationsgesellschaft mbH (1997) wurde in steter Folge eine Konsolidierung der Unternehmensbereiche betrieben. Zugleich war dies Startschuss für zahlreiche Standorteröffnungen und weitere Neubauten. 2005 wurde das neue Werkstatt- und Geschäftsstellenhaus in der Ifflandstraße eingeweiht und das 40-jährige Jubiläum von Das Mosaik e.V. gebührend gefeiert.

Die Zukunft gewinnen – 2009 bis heute

Im Juli 2008 verstarb Dr. Hans-Joachim Peters, der über 20 Jahre die Geschicke von Mosaik erfolgreich geleitet hat.

Seine Nachfolge trat Dr. Jens Bäumer an. Gemeinsam mit seinen Geschäftsführerkollegen Frank Jeromin und Christian Löw leitet er nun die Geschicke des gemeinnützigen Mosaik-Unternehmensverbundes.

Als ehemaliger Unternehmensberater erkannte Jens Bäumer die Notwendigkeit und das Potenzial von Mosaik, sich noch deutlicher als gemeinnütziger Träger in der Region zu positionieren. Der Wettbewerb in der sozialen Branche, insbesondere in Berlin-Brandenburg, machte eine Umstrukturierung und neue Wege unabdinglich. Als erstes galt es, den gemeinnützigen Träger nach erfolgreichem Wachstum zu konsolidieren, sich zukunftsorientiert aufzustellen und entsprechend transparent nach innen und außen zu kommunizieren. Gemeinsames Ziel ist es, den Mosaik-Unternehmensverbund zu einer traditionellen und modernen Marke innerhalb der sozialen Branche aufzubauen.