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Jeder ist ein Teil des Ganzen

Der Text 'Kurz gesagt' gefolgt von einer Sprechblase
Geschichte

Es war die Zeit, in der sich deutsche und amerikanische Frauen von in Berlin stationierten Ehemännern der US-Armee kennen und vertrauen lernten. Fasziniert und motiviert von dem gerade Einzug haltenden American way of life organisierten sich einige Damen in Clubs wie dem 1962 gegründeten Deutsch-Amerikanischen Frauenclub (DAFC, seit Januar 2016 „Deutsch-Amerikanischer Club von Berlin e.V.“). Ganz in diesem Geiste wollte man sich künftig in Form der Nachbarschaftshilfe gesellschaftlich und sozial engagieren. Dies führte auch zur Gründung einer sogenannten Welfare-Gruppe (Wohltätigkeitsgruppe) innerhalb des DAFCs. Und so blieb der Hilferuf der besorgten Leiterin des Jugendwerkheims in Schmargendorf nicht lange ungehört. Diese beklagte die mangelnden beruflichen Perspektiven für einige Menschen mit Behinderung, die die gesetzlich vorgegebenen Normen nicht erfüllten. Daher stand für die 11 Damen dieser Wohltätigkeitsgruppe fest, dass es für diesen Missstand schnellstmöglich eine tragfähige Lösung geben musste. Doch diese Idee stieß zunächst nicht allerorts auf Gegenliebe. Die Berliner Behörden interessierten sich nur wenig für ihr Anliegen, und auch der Leiter der amerikanischen US-Army in Berlin versagte den Frauen beinahe jegliche Unterstützung. So entstand schließlich die Idee zur Gründung des Vereins Das MOSAIK e. V., wohlwissend, dass auf dessen Mitglieder in den folgenden Jahren eine Menge Arbeit und organisatorische Herausforderungen zukommen würden. Dabei war der für den Verein gewählte Name stets Auftrag und Programm. Es sollte aus vielen kleinen, bunten Steinchen mit Geduld ein großes, lebendiges Bild geschaffen werden. Ohne die Initiative der amerikanischen und deutschen Frauen des DAFC wäre der Träger Das MOSAIK e. V. nicht entstanden.

Drugstore und Rock ’n‘ Roll

Der 1. Mosaik-Standort in der Seehofstraße

In der Gründungsurkunde des Vereins Das MOSAIK e. V. vom 7. September 1965 heißt es: „Der Verein bezweckt die Schaffung und Unterhaltung einer Tagesstätte zum Aufenthalt und zur möglichen Rehabilitierung geistig/körperlich behinderter Personen, insbesondere solcher, die in den städtischen Jugendwerkstätten über das 25. Lebensjahr hinaus nicht länger betreut werden können.“ Es galt also, für diese Menschen Orte zu schaffen, die sie tagsüber gerne besuchen würden um dort im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten geeignete Beschäftigungen zu leisten. Ausgerüstet mit einem eher kleinen Etat von 300 DM monatlich, finanziert vom DAFC, aber versehen mit einer ungeheuren Motivation, machten sich die Mitglieder des Vereins an die Arbeit. Bereits drei Monate später konnten die nötigen Räumlichkeiten gefunden werden. Eileen Pasternak, die Ehefrau eines U.S. Offiziers und Gründungsmitglied des e. V., stellte dem Verein in einem ihr gehörenden Haus in der Seehofstraße eine leerstehende Drogerie mietfrei zur Verfügung. Selbst die Renovierung der Räumlichkeiten wurde von dem Ehepaar übernommen. Im März 1966 konnten die ersten fünf Schwerbehinderten aus dem Jugendwerkheim Schmargendorf dort ihre Arbeit aufnehmen. Untypisch für eine solche Einrichtung, aber in Erinnerung an die einstige Nutzung, nannten sie den neuen Laden schlicht Drugstore. Schon wenig später kamen weitere vier Beschäftigte mit Behinderung hinzu. Dabei beschränkte sich die Arbeit anfangs vor allem auf Handarbeiten wie Topflappen häkeln und die Herstellung ähnlicher Produkte, welche auf einem Basar der Welfare-Gruppe verkauft wurden. Die langjährige Vorsitzende des Vereins, Ruth Makowski, berichtete später von einer Zeit, die von gegenseitiger Unterstützung geprägt war. „Die deutschen und amerikanischen Damen der Welfare-Gruppe holten ihre Schützlinge in Privatwagen von zu Hause ab, eine Mutter bastelte und handarbeitete mit ihnen. Andere brachten Kaffee und Kuchen. Am Abend fuhr man die Jugendlichen wieder heim.“ Aber es gab auch Hilfe von außerhalb des Vereins. So richteten humanitäre Clubs wie der Rotary Club oder Zonta regelmäßig Weihnachtsfeiern und Sommerfeste aus und brachten auf diese Weise ein wenig Rock ’n‘ Roll ins Leben der Beschäftigten. Und wenngleich zunächst noch von keinem ganzwöchigen Angebot die Rede sein konnte, so konnten die dortigen Menschen mit Behinderung immerhin an drei Tagen ehrenamtlich betreut werden. Dies alles sollte sich schon bald ändern. Schon wenig später kamen weitere vier Beschäftigte mit Behinderung hinzu. Dabei beschränkte sich die Arbeit anfangs vor allem auf Handarbeiten wie Topflappen häkeln und die Herstellung ähnlicher Produkte, welche auf einem Basar der Welfare-Gruppe verkauft wurden. Die langjährige Vorsitzende des Vereins, Ruth Makowski, berichtete später von einer Zeit, die von gegenseitiger Unterstützung geprägt war. „Die deutschen und amerikanischen Damen der Welfare-Gruppe holten ihre Schützlinge in Privatwagen von zu Hause ab, eine Mutter bastelte und handarbeitete mit ihnen. Andere brachten Kaffee und Kuchen. Am Abend fuhr man die Jugendlichen wieder heim.“ Aber es gab auch Hilfe von außerhalb des Vereins. So richteten humanitäre Clubs wie der Rotary Club oder Zonta regelmäßig Weihnachtsfeiern und Sommerfeste aus und brachten auf diese Weise ein wenig Rock ’n‘ Roll ins Leben der Beschäftigten. Und wenngleich zunächst noch von keinem ganzwöchigen Angebot die Rede sein konnte, so konnten die dortigen Menschen mit Behinderung immerhin an drei Tagen ehrenamtlich betreut werden. Dies alles sollte sich schon bald ändern.

Ein Angebot, das keiner ablehnen wollte

Die ersten Jahre des „Das MOSAIK e. V.“

Das neue Beschäftigungsangebot sprach sich schnell herum, so dass auch Eltern aus allen Bezirken auf Das MOSAIK e. V. aufmerksam wurden und Anfragen zur Betreuung ihrer volljährigen Kinder stellten. Einem Anliegen, dem die Damen des DAFCs nur allzu gerne nachkamen. Allerdings reichten dafür die Kapazitäten des Drugstore und auch eine rein ehrenamtliche Betreuung nicht mehr aus. Ein Umzug in größere Räume wurde nötig. Bereits im Herbst 1966 konnten die neuen Räumlichkeiten in der Kyffhäuserstraße 15 bezogen werden. Parallel dazu wurden Verhandlungen mit dem Berliner Senat aufgenommen und Tagespflegesätze vereinbart. Damit konnten beispielsweise ein Leiter mit einer sonderpädagogischen Ausbildung, ein Fahrer und weitere Mitarbeiter finanziert werden. Darüber hinaus ließen die Mitglieder des DAFCs ihre Beziehungen in die Wirtschaft spielen. Der Ehemann der deutschen Präsidentin, Frau Stuhlmann, war Direktor von IBM – das war ein Glücksfall! Er vermittelte als erster leichte Industriearbeiten. „Auch Mrs. Succhi hat uns geholfen, denn ihr Ehemann war ein hoher Repräsentant der PAN AM. Diese beiden Firmen sprangen ein, wenn irgendetwas fehlte.“ Andere Unternehmen folgten zunehmend diesem Beispiel. So konnten schon bald rund 20 Menschen mit Behinderung sinnvoll beschäftigt werden. Die Nachfrage war enorm. Im Laufe der Jahre entstanden deshalb weitere Einrichtungen in der Feuerbachstraße und Elßholtzstraße.

Wenn Leidenschaft professionell wird

Mosaik auf dem Weg zur Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Die Siebziger Jahre waren geprägt von weitreichenden rechtlichen und politischen Änderungen, welche erhebliche Auswirkungen auf die weitere Existenz und die Arbeit des Vereins haben sollten. Zum einen wurde in West-Berlin der erste, alle Altersgruppen umfassende Behindertenbericht mit zum Teil weitreichenden Maßnahmen vorgelegt. Zum anderen bereitete die damalige Bundesregierung eine Werkstättenverordnung vor. Diese sollte künftig die fachlichen Anforderungen an eine Werkstatt für Behinderte sowie das Verfahren zur Anerkennung einer solchen Einrichtung regeln. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der positiven Entwicklungen von Mosaik beantragte der Verein bereits frühzeitig die Anerkennung als „beschützende Werkstatt“. Dies wurde jedoch zunächst von der dafür zuständigen Bundesanstalt für Arbeit abgelehnt. Erst nach erfolgreicher Klage erhielt Mosaik im Jahre 1978 den gerichtlichen Gleichstellungsbescheid zur vorläufigen Anerkennung als Werkstatt. Damit wurde dem stetigen Wachstum von Mosaik auch formal Rechnung getragen. Allein in dem Jahr kamen 67 Menschen mit Behinderung hinzu. Und auch die Anzahl der Standorte wuchs kontinuierlich. Ende der Siebziger Jahre unterhielt der Verein „Das Mosaik e.V.“ bereits acht verschiedene Einrichtungen – teils hochgradig spezialisiert auf Keramikherstellung, Kabelkonfektionierung, Holz- und Metallverarbeitung oder Kerzenzieherei. Sogar eine eigene Geschäftsstelle gab es nun – erst in der Kyffhäuser-, später in der Hohenstaufenstraße. Geführt wurde diese von der ersten Geschäftsführerin von Mosaik, Barbara Gerschler. Und spätestens mit der formalen Anerkennung zur Werkstatt für Menschen mit Behinderung am 29. Januar 1980 war die Periode der Näh- und Bastelstubenzeit endgültig abgeschlossen.

Wachstum und neue Geschäftsideen

Mosaik geht neue Wege

Mosaik expandierte immer weiter. Doch das Wachstum verlangte auch nach kreativen und innovativen Lösungen. Als im April 1984 der langjährige Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Peters eingestellt wurde, fand er nach eigenem Bekunden eine Situation vor, „bei der eine Reihe von Problemen ungelöst waren, obwohl oder weil die vorläufige Anerkennung als WfB vorhanden war.“ Er war es, der mit seinen Visionen die Ära des Umbruchs und der Expansion prägen sollte. So galt es beispielsweise, eine geschlossene Finanzierung für die neue Werkstatt im Askanierring sicherzustellen sowie künftig die Beschaffung von Arbeitsaufträgen zu professionalisieren. Dazu gehörte auch die Einrichtung einer zentralen Geschäftsführung und Verwaltung in der Tauentzienstrasse 1. Gleichzeitig entstanden neue Geschäftsideen und Konzepte wie die Verwirklichung des Lebens und Arbeitens auf dem Lande, die Schaffung von geschützten Arbeitsplätzen bei den Auftraggebern vor Ort, die Möglichkeit der gemeinsamen Beschäftigung von Menschen mit und ohne Behinderung nach den tariflichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes oder schlichtweg das Angebot von betreuten Wohnplätzen. Schlussendlich sollten all diese Angebote zu einer Rehabilitationskette mit vielen Übergängen verknüpft werden. Der Erfolg gab ihm am Ende recht. Allein das Kerngeschäft des Vereins konnte bis zum Jahre 1994 beinahe verdoppelt werden. So stieg beispielsweise die Zahl der Plätze in den Werkstätten von 291 auf 589 an. Dies führte schließlich nach sorgfältiger Beratung des Vorstands zur Ausgliederung der Werkstätten aus dem Verein und zur Gründung einer eigenständigen gemeinnützigen GmbH. Am 25. Oktober 1994 erfolgte die notarielle Beurkundung der neuen juristischen Person: der Mosaik-Werkstätten für Behinderte gGmbH. In der Satzung der gGmbH hieß es: „Gegenstand des Unternehmens ist die Schaffung und Unterhaltung von Werkstätten für Behinderte, Tagesförderstätten und anderen nicht eigenwirtschaftlichen Zielen dienenden Zweckbetrieben zur Förderung, Rehabilitierung und Beschäftigung von Behinderten“ (aus der Satzung der WfB gGmbH, Stand 11.10.1994). Auch aus einigen anderen Geschäftsideen wie dem späteren Ökohof in Kuhhorst oder den Integrationsbetrieben sollten im Laufe der Zeit eigenständige juristische Personen als Teil des Mosaik-Unternehmensverbundes entstehen.