Philipp Falk und Margitta Jakob v.l.n.r.

"Den Leuten soll es gut gehen!" - Die neuen Vorsitzenden des Werkstattrats von Mosaik stellen sich vor

29. Juni 2026

  • Langjährige Erfahrung trifft neue Perspektive: Margitta Jakob bringt Jahrzehnte Mosaik‑Erfahrung ein, Philipp Falk ergänzt sie mit frischem Blick und Neugier auf neue Aufgaben.
  • Der Werkstattrat ist nah am Arbeitsalltag: Themen wie Fahrdienst, Essen, Konflikte und Gespräche stehen im Mittelpunkt, weil sie den Tag der Beschäftigten direkt beeinflussen.
  • Vertrauen ist die Basis: Beide legen großen Wert darauf, dass Beschäftigte wissen, an wen sie sich wenden können, sich ernst genommen fühlen und mit ihren Anliegen gehört werden.
  • Sichtbarkeit an allen Standorten: Geplante Sprechstunden und bessere Erreichbarkeit sollen den Werkstattrat an allen Mosaik‑Standorten präsenter machen – auch dort, wo kein Mitglied vor Ort ist.
  • Gelebte Inklusion und politische Bildung: Engagement bei Special Olympics, Interesse an Politik und der Wunsch nach Begegnung auf Augenhöhe zeigen, wie stark Teilhabe und Mitbestimmung im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen.
Philipp Falk und Margitta Jakob, die beiden Vorsitzenden des Mosaik-Werkstattrats

 

Die Erfahrene und der Neue

Seit November 2025 bilden Margitta Jakob und Philipp Falk die Spitze des Werkstattrats bei Mosaik. Margitta Jakob kennt die Arbeit seit vielen Jahren, Philipp Falk wurde neu gewählt und direkt ihr Stellvertreter. Gemeinsam wollen sie den Werkstattrat an allen Standorten wieder sichtbarer machen und näher an die Kolleginnen und Kollegen heranrücken. Margitta Jakob ist 58 Jahre alt und seit dem 12. Juli 1993 bei Mosaik. Dieses Datum nennt sie, ohne zu zögern. Überhaupt hat sie ein erstaunliches Gedächtnis für Zahlen. Sie selbst sagt, sie merke sich nur die wichtigen Daten.

Der 22. Januar 2021 ist so eines. An diesem Tag hatte sie ihren Besichtigungstermin bei Mister Spex. Sie stand in der Halle des Online-Optikers, sah sich um und wusste schnell: Das könnte passen. Inzwischen arbeitet sie dort seit fünf Jahren auf einem Außenarbeitsplatz – von Montag bis Mittwoch. Donnerstags und freitags ist sie für den Werkstattrat im Dienst. Als Vorsitzende könnte sie sich vollständig für ihr Amt freistellen lassen. Das möchte Margitta Jakob jedoch nicht. Dafür arbeitet sie zu gern bei Mister Spex. Im großen Brillenlager verräumt sie Waren und übernimmt Aufgaben, die nicht unter Zeitdruck stehen. 

Das ist ihr wichtig. Sie weiß aus eigener Erfahrung, was Druck mit Menschen machen kann. Sie arbeitet gern ruhig und verlässlich. Diese Verlässlichkeit zieht sich auch durch ihre Geschichte bei Mosaik. Viele Jahre war sie in der Betriebsstätte Reinickendorf. In ihrer Versandgruppe kamen und gingen die Menschen. Arbeitsaufträge änderten sich. Gruppenleitungen wechselten. Margitta Jakob aber blieb. 
 

Werkstattrat - die Entwicklung mitgestalten

Die Entwicklung des Werkstattrats begleitete sie von Beginn an. Anfang der 2000er gab es eine Arbeitsgruppe, um erstmals eine Vertretung für die Beschäftigten bei Mosaik aufzubauen. „Die Gruppenleitungen hatten einen Betriebsrat, zu dem sie gehen konnten. Und wir hatten eben nichts“, erinnert sie sich. Für sie war klar: Auch Beschäftigte brauchen eine Anlaufstelle, wenn etwas nicht gut läuft

2013 ließ sie sich das erste Mal selbst in den Werkstattrat wählen. Ein Jahr später wurde sie Stellvertreterin von Oskar Glock. Nach seinem Ausscheiden hat sie nun dessen Nachfolge als Vorsitzende angetreten. Ihr Stellvertreter ist Philipp Falk. Er ist 32 Jahre alt, freundlich und offen. Seit 2015 ist er bei Mosaik. Seinen Berufsbildungsbereich absolvierte er im Büroservice der Betriebsstätte Mitte. 

Heute arbeitet er dort im Versand, aktuell für Knalle-Popcorn und andere Kunden. Die Waren werden zusammengestellt und dann verschickt. Auch er ist seinem Bereich treu geblieben. Diese Beständigkeit verbindet beide. Gleichzeitig möchte Philipp Falk Neues kennenlernen, andere Standorte sehen und neue Aufgaben übernehmen. Deshalb wollte er unbedingt in den Werkstattrat. Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Dass er nun direkt Stellvertreter von Margitta Jakob geworden ist, macht ihn sichtlich stolz. „Vielleicht kennen mich jetzt mehr“, sagt er und lächelt. 

Freitags ist Philipp Falk für den Werkstattrat im Dienst, an den anderen Tagen arbeitet er im Versand. Noch ist er dabei, in seine Rolle hineinzuwachsen. Aber sein Ziel ist klar: Er möchte den Beschäftigten zeigen, dass sie ihm vertrauen können. Und er möchte 2029 wiedergewählt werden. Nicht nur, weil ihm das Amt wichtig ist, sondern weil er dann wissen möchte, ob die Kolleginnen und Kollegen zufrieden mit seiner Arbeit gewesen sind. Vertrauen ist für die Spitze des neuen Werkstattrats ein zentrales Wort. Philipp Falk merkt schon jetzt, dass Menschen ihm anders begegnen. Er wird erkannt, angesprochen, ernst genommen. Kolleginnen und Kollegen haben ihm gesagt, dass sie mit Anliegen zu ihm kommen würden. Das freut ihn. Gleichzeitig spürt er die damit verbundene Verantwortung. 
 

Eine große Verantwortung und viel Vertrauen

Margitta Jakob kennt dieses Gefühl seit Jahren. Sie weiß, dass Werkstattratsarbeit oft mit kleinen, konkreten Dingen beginnt. Es geht um den Fahrdienst, um Essen, um Konflikte, um Gespräche, die geführt werden müssen. Sie ist stolz darauf, was der Werkstattrat in den vergangenen Jahren erreicht hat, vor allem beim Fahrdienst und bei der Essensversorgung. Es sind Themen, die den Arbeitstag unmittelbar betreffen. Genau deshalb sind sie wichtig. 

Für die neue Amtszeit wollen Margitta Jakob und Philipp Falk den Werkstattrat wieder sichtbarer machen und überall Sprechstunden anbieten. Besonders an den Standorten, an denen kein gewähltes Mitglied vor Ort ist, sollen Beschäftigte leichter Kontakt aufnehmen können. Sie sollen wissen: Da ist jemand, der zuhört und ihre Anliegen ernst nimmt. Und sie möchten, dass das Mosaik-Motto „Jeder ist ein Teil des Ganzen“ im Alltag wieder stärker spürbar wird. 

Für Margitta Jakob heißt das vor allem, anderen auf Augenhöhe zu begegnen: „Wir wollen nicht unbedingt als Beschäftigte gesehen werden, sondern als ganz normale Arbeiter“, sagt sie. „Und dass mit uns trotz unserer Einschränkungen nicht wie mit Kindern, sondern wie mit Erwachsenen gesprochen wird.“
 

Konzerte, Sport und Reisen - ein Werkstattrat mit vielfältigen Interessen

Auch außerhalb des Werkstattrats sind Margitta Jakob und Philipp Falk aktiv und viel unterwegs. Margitta Jakob geht gern auf Konzerte. Einen festen Musikgeschmack nennt sie nicht. Sie stöbert lieber bei Eventim, schaut, was sie anspricht, und bucht eine Karte, wenn es passt. 2023 entdeckte sie außerdem die Special Olympics für sich. Bei den World Games in Berlin war sie als Volunteer dabei. Die Erfahrung war so gut, dass sie in diesem Jahr sogar ins Saarland fährt, um dort erneut als Volunteer die Special Olympics zu unterstützen.

Philipp Falk reist gern. Kroatien ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Reisen bedeutet für ihn Abstand vom Alltag und die Möglichkeit, Neues zu sehen. Diese Neugier passt zu ihm. Wenn ihn etwas interessiert, bleibt er dran. Die Begeisterung für den Fußballverein Borussia Dortmund teilen beide. Philipp Falk schaut die Spiele des BVB am liebsten live im Fernsehen. Dann sitzt er nicht einfach nur vor dem Bildschirm. Dann gehört die volle Fanmontur dazu. Margitta Jakob verfolgt Dortmund weniger intensiv, aber auch sie hat eine App und schaut in den Liveticker. Beim Fußball finden beide schnell eine gemeinsame Sprache. 

Und auch in der Zusammenarbeit merkt man: Die beiden haben einen sehr guten Umgang miteinander. Fragt man Margitta Jakob und Philipp Falk, ob sie politisch engagiert sind, antworten sie zunächst zurückhaltend. Nicht besonders, sagen sie. Und dann erzählen sie doch von Politik. Philipp Falk verfolgt ab und zu Bundestagsdebatten im Fernsehen. Margitta Jakob erinnert sich begeistert an ein Angebot politischer Bildung bei Mosaik im Jahr 2009. Damals wurde eine Bundestagswahl nachgestellt. 

Es gab Parteien, Wahlplakate und eine Kanzlerwahl. Margitta Jakob ließ sich als Kanzlerkandidatin aufstellen. Das Plakat hängt bis heute in ihrer Wohnung. Vielleicht ist ihr Engagement politischer, als sie es selbst nennen würden. Es zeigt sich nicht in großen Parolen. Es zeigt sich im Alltag: bei der Frage, wer gehört wird, wer mitreden kann, und wer ernst genommen wird. Genau dort setzen Margitta Jakob und Philipp Falk an. Sie wollen, dass Beschäftigte gern zur Arbeit kommen und wissen, an wen sie sich wenden können. Oder, wie Margitta Jakob es sagt: „Den Leuten soll es gut gehen.“ 

KONTAKT: werkstattrat@mosaik-berlin.de

 

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