Menschenrechte sind nicht verhandelbar - Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

„Menschenrechte sind nicht verhandelbar" – Europäischer Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Berlin

11. Mai 2026

Die Abschlusskundgebung auf dem Berliner Rathausplatz in thematischen Blöcken:

Es beginnt mit der scharfen Kritik von Inklusionsaktivisten am aktuellen Entwurf des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG).
Im Anschluss debattieren Bundespolitiker verschiedener Fraktionen dieses Gesetz und nehmen eine Petition mit fast 100.000 Unterschriften für verpflichtende Barrierefreiheit entgegen. 
Der dritte Block besteht aus einem Interview mit der Berliner Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe über Barrierefreiheit und Arbeitsmarktintegration.
Anschließend präsentiert die Lebenshilfe Berlin einen kulturellen Beitrag der Arbeitsgruppe „Starke Frauen“ sowie eine weitere Petition gegen Kürzungen bei der Eingliederungshilfe.
Im fünften Block diskutieren Sportler über die Chancen einer Berliner Olympiabewerbung für die Barrierefreiheit
Der krönende Abschluss: Aktivistin Bärbel Reichelt wird für ihr 50-jähriges Engagement geehrt.

Hinweis: Alle Personen, deren Namen mit einem * gekennzeichnet sind, stellen wir in einer an den Artikel anschließenden Infobox vor.

Wenn Bärbel Reichelt* den Ku’damm blockiert, dann hat sie einen guten Grund. Vor fünfzig Jahren tat sie es, weil sie barrierefreie Busse wollte. Vor dreißig Jahren war sie beim ersten Protesttag dabei. Am 5. Mai 2026 sitzt sie auf der Bühne vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte und bekommt dafür einen Preis – den Inklusionspreis des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Die Frau, die schon kämpfte, als viele der Anwesenden noch nicht auf der Welt waren. „Im Grundgesetz steht die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Was gesagt wird, ist eine Sache, aber wie das Gesetz gelebt wird, darauf kommt es an.“ Damit stößt sie mitten in den Kern der aktuellen Diskussion über die Demokratie insgesamt vor. Wie wird von der Politik mit den Grundrechten umgegangen, die im Grundgesetz verankert sind? 

Bärbels Geschichte steht stellvertretend für eine Bewegung, die unermüdlich ist – und die an diesem Dienstag in Berlin laut und deutlich hörbar ist.


Demonstration vom Brandenburger Tor zum Roten Rathaus

Vom Brandenburger Tor aus bewegt sich ein langer Zug durch die Berliner Innenstadt bis zum Roten Rathaus. Viele Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen sind dabei, obwohl die Probleme für sie schon vor der Demo beginnen: Wer mit der U-Bahn kommt, hat sich in eine lange Schlange vor dem einzigen Aufzug an der Station Brandenburger Tor einzureihen. Dies symbolisiert, wie formal Barrierefreiheit vielfach aufgefasst wird: Die meisten U- und S-Bahnhöfe in Berlin sind als barrierefrei gekennzeichnet, aber größere Veranstaltungen werden bei dieser Bezeichnung nicht mitgedacht.

„Was brauchen wir? Barrierefreiheit! Wann? Jetzt!" Die Abschlusskundgebung auf dem Rathausvorplatz wird gemeinsam von Dominik Peter, dem Vorstandsvorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, und Franziska Engelmeier vom Sozialverband Deutschland (SoVD) moderiert. Es ist keine Feierlichkeit. Es ist ein deutliches Signal in schwieriger werdenden Zeiten.

Der Protesttag gewinnt durch ein Ereignis in derselben Woche zusätzliche Symbolkraft: Zwei Tage später, am 07.05.2026, soll der Entwurf des neuen Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) in erster Lesung im Deutschen Bundestag beraten werden. Der Entwurf dazu hatte unter den Betroffenen und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern für Entsetzen gesorgt.


Ein Gesetz, das seinen Namen nicht verdient

Raúl Krauthausen*, einer der bekanntesten deutschen Inklusionsaktivisten und Mitbegründer des Vereins Sozialhelden, hatte noch kurz vor der Kundgebung im Bundestag mit Gitta Connemann* gesprochen, der parlamentarischen Staatssekretärin im zuständigen Ministerium. Seine Einschätzung danach war unmissverständlich: „Das geplante Gesetz Behinderten-Gleichstellungsgesetz zu nennen, ist blanker Hohn. Es ist ein Barrieren-Erhaltungsgesetz, aber kein Behinderten-Gleichstellungsgesetz." Verbesserungen im parlamentarischen Verfahren zu erwarten, hält Krauthausen für illusorisch: „Das sind alles Nebelkerzen, die man uns hinwirft."

Noch schärfer formulierte es Sabrina Lorenz*, Aktivistin, Autorin und Content-Creatorin, die öffentlich über ihr Leben mit Behinderung und über Ableismus und Inklusion spricht: „Inklusion ist keine Wohltätigkeit. Das Thema ist keine Charity. Es geht hier um nicht weniger als unser Menschenrecht." Die Welt sei für nicht behinderte Menschen gemacht, und der neue Gesetzentwurf verschärfe diese Schieflage noch, indem er Verantwortung weg von der Gesellschaft und hin zu den Betroffenen verschiebe: „Wir sollen Barrieren abbauen, die uns in den Weg gestellt werden!"

Markus Graupner*, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (ABiD), der sich seit der Verbandsgründung im Jahr 1990 für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzt, nennt den Entwurf eine Ohrfeige: „Es ist eine Ohrfeige für die Menschen, die hier auf dem Platz stehen und die laut die Stimme erheben." Das Gesetz reduziere Menschen mit Behinderungen auf Kosten und negativ besetzte Aspekte – statt ihre Rechte zu würdigen und hervorzuheben.


Politik auf dem Prüfstand

Dann kommt die Politik auf die Bühne: Corinna Rüffer* (Bündnis 90/Die Grünen), Heike Heubach* (SPD), Simone Fischer* (Bündnis 90/Die Grünen), Sören Pellmann* (Die Linke) und Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages und langjähriger Ministerpräsident Thüringens.  

Simone Fischer, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Stuttgart und Sprecherin ihrer Fraktion für Pflegepolitik, hatte am Morgen desselben Tages gemeinsam mit Bodo Ramelow im Bundestag ein Plakat gemalt und es den ganzen Tag durch das Parlament getragen. 

Ramelow, der als Vizepräsident des Bundestages die Parlamentssitzung leiten musste, in der das BGG besprochen wurde, bringt die Stimmung auf seine eigene Art auf den Punkt: Er habe Sören Pellmann empfohlen, einen Kernsatz von Raúl Krauthausen zu zitieren – denn ein Zitat könne er als Präsident nicht beanstanden. Und Krauthausen hatte das Gesetz schlicht „Scheiße" genannt. Ernsthaft und kämpferisch zugleich bekennt sich Ramelow zu einer grundlegenden Neubetrachtung: „Wir müssen überall in ganz Deutschland deutlich machen: Es gibt keine Behinderten. Es gibt nur Menschen, die ein Handicap haben und gehindert werden."

René Schaar*, der die Petition Pflicht zur Barrierefreiheit ins BGG jetzt" ins Leben gerufen hat, spricht mit der Leidenschaft von jemandem, den es direkt betrifft. Er fragt das Publikum: Wann soll die versprochene Barrierefreiheit kommen? Vor 17 Jahren, mit der UN-Behindertenrechtskonvention, wurde sie versprochen. Vor 10 Jahren, bei der letzten BGG-Reform, wurde die Privatwirtschaft ausgenommen – mit dem Versprechen, sie beim nächsten Mal einzubeziehen. „Jetzt haben wir dieses nächste Mal und schon wieder sind die Signale auf Rot." Kurz vor dem Ende der Kundgebung zählt seine Petition 97.649 Unterschriften. 

Auf die Frage, ob die Antworten der Politik ausgereicht haben, antwortet Raúl Krauthausen: Die entscheidenden Politikerinnen und Politiker – Kanzler Friedrich Merz, Bundesgesundheitsministerin Bärbel Bas, die zuständige CDU-Staatssekretärin Gitta Connemann – haben sich ferngehalten. Diejenigen, die auf der Bühne stehen, tragen nicht die Verantwortung für den Entwurf. Sein Appell an die Menge: „Wir sollten uns nicht die Erzählung bieten lassen, dass dafür kein Geld da ist. Das ist alles nur eine Frage der Prioritäten."


Berlin hält, was es verspricht – zumindest ein bisschen

Auch Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) – geboren 1975 in Berlin, frühere Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin, heute zuständig für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung – versteckt sich nicht, sondern bezieht auf der Bühne Stellung. Ihr Urteil über den Bundesgesetzentwurf: „Das, was da vorgelegt wurde, bleibt hinter allen Erwartungen. Ehrlich gesagt, es ist eine Farce." Der Berliner Bundesrats-Ausschuss für Arbeit und Soziales hat bereits dagegen votiert.

Kiziltepe kann auch kleine Erfolge vermelden: Berlin hat nach langen Verhandlungen in der Koalition aus CDU und SPD eine Gleichbehandlung bei der persönlichen Assistenz im ArbeitgeberInnen-Modell durchgesetzt. Rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 wird auch im sogenannten Arbeitgebermodell der Tariflohn gemäß Tarifvertrag der Länder gezahlt. Ein konkreter Fortschritt – wenn auch ein kleiner angesichts des Gesamtbedarfs.

Ihr Herzensprojekt ist die seit dem 1. Januar 2026 eingerichtete Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber: eine Beratungsstelle, die Unternehmen dabei unterstützt, Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzustellen. Denn viele Betriebe wüssten schlicht nicht, welche Förderleistungen ihnen zustehen – das soll sich ändern.


Frauen, die sich Gehör verschaffen

Einen besonders eindringlichen Moment der Kundgebung schaffen die „Starken Frauen" – die Politikarbeitsgruppe des Büros für Selbstvertretung der Lebenshilfe Berlin, die sich seit zwei Jahren trifft, um für ihre Rechte einzutreten. Annika Stephan, Ramona Merker, Diana Scholz und ihre Mitstreiterinnen tragen ein selbst verfasstes Gedicht vor, das unter die Haut geht. Es beschreibt, was von Frauen mit Behinderungen täglich erwartet wird: bescheiden zu sein, unsichtbar, dankbar, gehorsam. Es endet mit den Worten: „Damit ist jetzt Schluss. Wir zeigen uns. Wir reden mit. Wir machen uns breit."

Passend dazu werben die Frauen von der Lebenshilfe für eine zweite Petition, eingereicht von der Bundesvorsitzenden Ulla Schmidt: gegen Kürzungen in der Eingliederungshilfe. Über 80.000 Menschen haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits unterzeichnet. Das Ziel: Hunderttausend Unterschriften, damit der Bundestag sich befassen muss. 


Paralympics als Hebel für Inklusion

Ein sehr interessanter Programmpunkt widmet sich dem Sport – und trifft dabei den richtigen Nerv. Kirsten Bruhn, elf Mal Paralympics-Siegerin in Athen, Peking und London und damit eine der erfolgreichsten deutschen Parasportlerinnen, diskutiert mit Schatzmeister Daniel Peppler vom Berliner Behindertensportverband über Berlins Olympia- und Paralympicsbewerbung (für 2036 oder 2040) und was diese für die Barrierefreiheit bedeuten könnte. Bruhns' Botschaft ist dabei weit über den Sport hinaus gedacht: „Es geht nicht nur darum, dass wir Rampen und Fahrstühle haben. Es geht darum, dass wir alle selbstbestimmt in dieser Gesellschaft willkommen sind und Teilhabe auch genießen und leben können." 

Ein Olympia- und Paralympicszuschlag für Berlin würde, so Bruhn, Geld mobilisieren, das sonst schlicht nicht zur Verfügung stünde – und damit infrastrukturelle Barrierefreiheit erzwingen, die keine Bundesgesetzgebung bislang durchzusetzen vermochte. Umfragen zeigen eine knappe relative Mehrheit der Berliner und Berlinerinnen für die Austragung von Olympischen Spielen (Stand Sommer 2025: Infografik: Wie populär ist Olympia? | Statista).


Ein Protest, der weiterhallt

Der Protest vom 5. Mai war in Berlin besonders beeindruckend, aber er ist eingebettet in einen größeren Rahmen: Der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung"  geht auf eine Initiative des Deutschen Behindertenrates zurück und wird in zahlreichen europäischen Ländern begangen. In der Schweiz fand bereits am 2. Mai eine Kundgebung in Zürich statt; in Österreich lief parallel eine Inklusionsaktionswoche vom 4. bis 8. Mai 2026. Das 2026 gewählte Leitthema – „Menschenrechte sind nicht verhandelbar" – traf den Zeitgeist einer Bewegung, die sich unter wachsendem Druck durch Sparmaßnahmen und politisches Desinteresse neu formiert.

In Deutschland berichteten die Medien über die Berliner Demonstration und die Petition – auch wenn der größere Kampf weitergeht. Das BGG muss im Bundestag noch weitere Lesungen durchlaufen. Die Oppositionsfraktionen wollen es in dieser Form ablehnen. Die Regierungskoalition hat noch keine Kurskorrektur signalisiert.

Das weiß auch Bärbel Reichelt. Sie hat seit fünfzig Jahren gekämpft. Sie hat am 5. Mai die Ballons für die Rechte von Menschen mit Behinderungen steigen lassen. Und sie wird wiederkommen. 

Alle, die sich für Inklusion einsetzen, sollten sich am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung beteiligen. Sie sollten 2027 wieder dabei sein, denn es ist dringend erforderlich, dass alle sich zeigen, die es betrifft, und alle, die verhindern wollen, dass es schlechter statt besser wird mit der Inklusion und der Barrierefreiheit in Deutschland.

Aktivisten und Aktivistinnen

Sabrina Lorenz und René Schaar. Eine kurze Dokumentation, die Arte mit beiden in Berlin gefertigt hat, haben wir verlinkt, auch zum Protesttag sind einige Informationen enthalten: " Deutschland scheitert an Barrierefreiheit - Die ganze Doku" | ARTE .

Raúl Krauthausen (mit vollem Namen Raúl Aguayo-Krauthausen), einen der bekanntesten Aktivisten für Inklusion, lernt man am besten durch seinen Newsletter kennen, hier verlinkt mit dem passenden Artikel: "Jeder Tag ein 5. Mai! - Raul Krauthausen" | Sent from my wheelchair.

Bärbel Reichelt. Über sie haben wir, weil sie heute eine Hauptperson ist und geehrt wird, etwas mehr geschrieben. Sie hat in Berlin über Jahrzehnte an vielen Stellen Behindertenpolitik mitgeprägt; ihre wichtigsten Erfolge sind vor allem drei Bereiche:

1. Druck für barrierefreien Nahverkehr

Schon lange vor der heutigen BVG-Barrierefreiheitsquote hat Reichelt mit anderen Aktivistinnen Aktionen organisiert, etwa eine Blockade des Kurfürstendamms für barrierefreie Busse und Taxis.
Sie forderte Großraum-Taxis, in die auch Elektro-Rollstühle passen, sowie mehr barrierefreien Wohnraum und eine zentrale Erfassung barrierefreier Angebote.lv-selbsthilfe-berlin
Heute sind alle BVG-Busse niedrigflurig und mit Rampen ausgestattet – ein Ergebnis, zu dem langjähriger Aktivismus wie ihrer wesentlich beigetragen hat.

2. Aufbau und Führung des Berliner Behindertenverbands

Reichelt engagiert sich seit fast 40 Jahren im Berliner Behindertenverband (BBV).Berliner-Behindertenzeitung
Sie war viele Jahre im Vorstand und von 2011 bis 2013 Vorsitzende des BBV und organisierte in dieser Rolle u.a. große Demos gegen Diskriminierung sowie Wahlversammlungen mit Parteien zur Behindertenpolitik in Berlin.Archiv.Berliner-Behindertenzeitung+2
Bis heute arbeitet sie in verschiedenen BBV-Gremien weiter mit, etwa in der AG Wissenschaft, Gesundheit und Pflege.

3. Einfluss in Gremien von Land und Verbänden

Neben dem Verband engagiert sich Reichelt in zahlreichen offiziellen Gremien:
   • im Fahrgastbeirat zum öffentlichen Nahverkehr
   • in der Arbeitsgemeinschaft der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
   • sowie in Arbeitsgruppen des Landesbeirats für Menschen mit Behinderung.Berlin+2
Dadurch brachte sie Themen wie barrierefreien Nahverkehr, Medienpräsenz von Menschen mit Behinderung und selbstbestimmtes Leben immer wieder direkt in Verwaltung und Politik ein.

Für dieses jahrzehntelange Engagement wurde sie u.a. mit dem PIA-Preis des Paritätischen Berlin und 2020 mit der Auszeichnung "50 bunte UN-BRK-Ballons" geehrt; 2026 folgte der Inklusionspreis beim Protesttag vor dem Roten Rathaus.

Politiker und Politikerinnen 

Gitta Connemann ist auch Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, der stärksten Unternehmer-Lobbygruppe in der Partei. Sie gilt vielen politischen Beobachtern als gefangen in einem unauflösbaren Konflikt zwischen Regierungspolitik für alle Menschen und der Vertretung von Partikularinteressen (Merz' Staatssekretärin Connemann in der Kritik: Mittelstand "verraten"?). Das ist im Zusammenhang mit dem BGG besonders relevant, weil private Unternehmen entgegen früherer Versprechen der Politik weiterhin nicht verpflichtet werden sollen, Barrierefreiheit herzustellen.

Corinna Rüffer (*1975 in Osnabrück) ist seit 2013 Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen (Landesliste Rheinland-Pfalz, Wahlkreis Trier). Sie ist behindertenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie im Petitionsausschuss; ihr Schwerpunkt ist seit Jahren die Rechte von Menschen mit Behinderungen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Simone Fischer (*1979 in Buchen/Odenwald) ist seit der Bundestagswahl 2025 Abgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen und Sprecherin ihrer Fraktion für Pflegepolitik. Sie studierte öffentliche Verwaltung in Kehl, arbeitete viele Jahre in der Sozial- und Gesundheitsverwaltung in Stuttgart und war seit 2021 Landes-Behindertenbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, bevor sie in den Bundestag gewählt wurde; sie engagiert sich besonders für soziale Gerechtigkeit, Pflege und die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Heike Heubach (*1979 in Rottweil am Neckar) ist SPD-Bundestagsabgeordnete und seit März 2024 die erste gehörlose Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie zog zunächst als Nachrückerin ein und wurde 2025 wiedergewählt; sie ist u.a. Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen und engagiert sich stark für Inklusion, Barrierefreiheit und die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Ulla Schmidt (*1949 in Aachen) ist SPD-Politikerin, Sonderpädagogin und seit 2012 Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe, der großen Dachorganisation für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien in Deutschland. Zuvor war sie von 2001 bis 2009 Bundesministerin für Gesundheit (zwischenzeitlich auch für Soziale Sicherung) und von 2013 bis 2017 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. 
Auf Mitgliederversammlungen der Lebenshilfe wurde sie mehrfach mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt – zuletzt 2025 in Berlin mit 96 Prozent der Delegiertenstimmen, ohne Gegenkandidatur. In dieser Rolle steht sie an der Spitze eines Verbands mit über 110.000 Mitgliedern und rund 170.000 unterstützten Menschen mit Behinderung und ihren Familien.

Sören Pellmann ist Abgeordneter von Die Linke im Deutschen Bundestag und hat 2017,2021 und 2025 das Direktmandat im Wahlkreis Leipzig II gewonnen. Er ist Co-Fraktionsvorsitzender der Partei im Bundestag.

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Bärbel Reichelt, Aktivistin seit 50 Jahren.
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Die Gruppe "Starke Frauen" der Lebenshilfe trägt ihr Gedicht vor.
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René Schaar wirbt für die Petition Barriefreiheit jetzt.
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Raúl Krauthausen äußert sich zum geplanten BGG, links Sabrina Lorenz, rechts Dominik Peter
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Sabrina Lorenz und der Gebärdendolmetscher, der alles übersetzt hat.
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Transparent für Teilhabe

Über den Autor

Thomas Hocke schreibt, seit er als 13-Jähriger seine ersten Kurzgeschichten ausprobierte, und arbeitet seit vielen Jahren regelmäßig an Texten. Er leitete eine Online-Schreibgruppe, veröffentlichte über mehrere Jahre Kurzgeschichten und nimmt bis heute an Schreibprojekten teil. Außerdem betreibt er ein privates Weblog zu Politik und Kultur. Nach einem Berufswechsel in die Öffentlichkeitsarbeit arbeitet er seit 2025 bei Mosaik und ist Mitglied unseres Blog-Teams.

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