Der eingebildete Kranke - Szenenfoto

Arbeitsbegleitende Angebote bei Mosaik (II): Eine bezaubernde Premiere - "Der eingebildete Kranke", gespielt vom Inklusionstheater Hottenschlotten

6. Juni 2026

Fünf Jahre, neun Textversionen, zwei Pandemie-Lockdowns und ein Ensemble, das sich wie eine Familie anfühlt: Das inklusive Theaterprojekt von Mosaik-Berlin feierte im April 2026 die Premiere seines bisher aufwendigsten Stücks: „Der eingebildete Kranke", (sehr) frei nach Molière. Ein Gespräch mit den beiden Theatermacherinnen Nadia Panknin und Tasha Arsalan – und ein Besuch, der mich beinahe von meinem Auftrag abgehalten hat.

Der Job, das Theater und das Leben

Es gab diese Momente. Wie jenen, als ich Schwierigkeiten hatte, meinen Job für Mosaik-Berlin zu erfüllen. Wegen der Lachtränen. Ich saß in der ersten Reihe der Brasserie Charlottchen in Berlin-Charlottenburg, hatte die Kamera in der Hand, und kam kaum zum Auslösen. Denn auf der Bühne gerade etwas passierte, das ich in so überwältigender Form nicht erwartet hatte. Großartiges Theater, großes Kino, dargeboten mit so viel Intensität und Spielfreude, dass es nachwirkt und ich in dem Moment, in dem ich dies schreibe, wieder lächele. Es war so witzig gemacht, mit so viel Ironie, Humor und tollen Ideen.

Das Stück heißt „SEHR frei nach Molière – Der eingebildete Kranke". Die Theatergruppe, die es aufführt, nennt sich „Die Hottenschlotten“. Und hinter beidem steckt eine Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte.

Jean-Baptiste Poquelin alias Molière (getauft am 15. Januar 1622 in Paris; † 17. Februar 1673 ebenda) war ein französischer Schauspieler, Dramatiker und wohl der bekannteste Theatermacher seiner Zeit. Aus Zusammenlegungen seines Ensembles mit anderen ging die heutige Comédie Française hervor, gegründet von König Ludwig XIV.

Molière hatte viele Stücke geschrieben, welche die Komödie als vollwertiges Theater etablierten, aber auch der politischen Satire großen Raum gaben, oft zum Ärger des Adels und der Kirche. Werke, die heute noch bekannt sind: „Tartuffe" (1664), „Der Geizige" (1668) - und „Der eingebildete Kranke", Molières Vermächtnis. Er spielte die Titelrolle 1673 selbst, zog sich bei der vierten Vorstellung einen Blutsturz zu und verstarb kurz darauf.

Die Hottenschlotten – eine kurze Reflexion über den Namen

Wer zum ersten Mal von den Hottenschlotten hört, fragt sich vielleicht: Woher kommt das? Die Antwort ist so schön wie der Name selbst: Es ist eine Mixtur aus Charlottenburg – dem Berliner Bezirk, in dem das Charlottchen liegt – und einer Portion bewusster Ironie. „Die sind aber hot, das sind Hotterschlotten", erklärten Nadia Panknin, die das Theaterprojekt seit 2008 bei Mosaik-Berlin leitet. 

Das Wort „Hottentotten" schwingt mit, jener in der Kolonialzeit geprägte Ausdruck, der auf unpräzise Weise Stämme im südlichen Afrika umschloss, aber auch für Wildheit und Fremdheit verwendet wurde – „Das ist ja Hottentottenmusik!“ war vor 100 Jahren wohl ein geflügeltes Wort für schnelle Rhythmen einer neuen Zeit, verwendet, nicht selten abwertend, für Jazzmusik und Musik von außerhalb des westlichen Kulturkreises. Mithin für etwas, das ungewohnt oder progressiv war und rückblickend den Sprung in die Moderne darstellt. Darin liegt der Clou: Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, eignen sich diesen Begriff an und geben ihm die Bedeutung von etwas Fortschrittlichem und Inklusivem wie der Theatergruppe von Mosaik. Reclaiming oder Rebranding, würde man heute sagen. „Dabei habe ich auch an eine Demo gedacht, die es seit 2013 gibt: 'Behindert und verrückt'“, ergänzt Tasha Arsalan.

„Wir sind die Hotten", sagt Panknin, und lächelt dabei. Ob das immer so ankommt? „Offenbar nicht", gibt sie zu – und das sei vielleicht auch gut so. Der Zusammenhang mit den Hottentotten werde gar nicht mehr hergestellt. 

Das Projekt selbst trägt den Namen erst seit einigen Jahren. Vorher hieß es schlicht „Theaterprojekt". Zu trocken, fand Tasha Arsalan, die vor drei Jahren als Co-Leiterin dazukam. Also bekam es einen Namen, der ins Ohr geht.


Mosaik-Berlin: Theater als arbeitsbegleitende Maßnahme

Mosaik-Berlin ist einer der großen Berliner Träger im Bereich Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Was viele nicht wissen: Zum Unternehmen gehört auch das Inklusionsunternehmen Charlottchen in Charlottenburg. Darin gibt es die Brasserie sowie eine Theaterbühne. Dort wird freitags und samstags abends Erwachsenenprogramm geboten, sonntags Kindertheater. In deren Räumen proben die Hottenschlotten jeden Donnerstagabend zwei Stunden lang. Das Charlottchen ist Teil der Mosaik Services gGmbH, einer Reihe von Inklusionsunternehmen unter dem Dach von Mosaik-Berlin.

Das Theaterprojekt ist bei Mosaik eine arbeitsbegleitende Maßnahme – wie Tischtennis, Schwimmen oder Turnen. Wer das Stück „Der eingebildete Kranke" gesehen hat, weiß: Diese schlichte Beziehung zur Arbeit wird dem nicht ganz gerecht, was hier geleistet wird. Hier geht es um Kunst, die aus sich selbst heraus wirkt und nach außen wirksam wird.

Es ist theaterpädagogische Arbeit auf hohem Niveau, mit einem Ensemble, das wächst, das sich gegenseitig trägt – und das am Premierenabend des 24. April 2026 für Jubel und Freude gesorgt hat.

Nadia Panknin hat diese Gruppe aufgebaut. Die ausgebildete Theaterpädagogin, Erzieherin und Schauspielerin hat 2008 als Kulturkoordinatorin bei Mosaik angefangen – zuständig für den Spielplan des Charlottchens, für Konzerte, Comedy, Kabarett, Kindertheater. Dass sie nebenher auch eine Theatergruppe aufbaut, war der damaligen Kollegin zu verdanken, die wusste: Wenn jemand das kann, dann Nadia. „Frau Panknin, wir haben jetzt eine neue Arbeitsgemeinschaft für Theater", bekam sie gesagt. Ihre erste Reaktion: „Ich weiß nicht, muss das sein?" Sie lacht. Sie kam frisch von der Schauspielschule. Inzwischen macht sie das seit 18 Jahren.

Tasha Arsalan, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, mit langer Erfahrung in der Sprachtherapie, Improtheater und Grafik-Illustration, stieß vor drei Jahren dazu. Aus einer gemeinsamen Freundschaft geboren, aus der Lust an der Arbeit entstand dieses Co-Working. „Als Nadia mich angerufen hat und gesagt hat, hey, hast du Lust? – da habe ich gesagt: Ja, sofort, unbedingt." Beide hatten bereits beim Grips-Theater zusammengearbeitet, danach war Tasha Arsalan bei der Lebenshilfe tätig. „Diese Arbeit hat meinen Blick auf Menschen mit Behinderungen sehr geprägt", sagt sie.  
 

Fünf Jahre, neun Versionen, ein Stück

Wie lange haben Sie an diesem Stück geprobt?, habe ich die beiden Theatermacherinnen gefragt. Die Antwort von Nadia Panknin ist einer jener Sätze, die man ein wenig nachwirken lassen muss: „Wir haben kurz vor der Pandemie damit angefangen." Das war 2019. Dann kam Corona. Dann kamen zwei Lockdowns, während derer die Werkstätten und das Charlottchen zeitweise vollständig geschlossen waren. Wir haben bereits in anderen Beiträgen thematisiert, wie schwierig diese Zeit für die Beschäftigten und Mitarbeitenden war. 

Es folgte ein kompletter Umbau der Örtlichkeit. Das Charlottchen war vorher ein Kinderfamilienrestaurant mit Indoor-Spielplatz. Dann die mühsame Wiederaufnahme der Probenarbeit hinter Plexiglaswänden, mit jeweils nur zwei Personen auf der Bühne. Während andere Theater ihre Produktionen verschoben, zogen es die Hottenschlotten ihr Ding durch – mit Zeichenstunden, Theoriestunden, Improvisation zu zweit hinter Spuckwänden. Irgendwie ging es immer weiter.

Neun Textversionen wurden geschrieben, bis das Gerüst stand. Einmal pro Quartal trafen sich Panknin und Arsalan, um die jeweils neueste Version zu erstellen. „Die Witze sollen ja nicht so sein, dass wir denken: haha, das ist lustig – nein, die kommen überwiegend von denen", sagt Arsalan. Die Spielerinnen und Spieler haben ihre eigenen Impulse eingebracht. Jemand schlug die KI als eigenständige Figur vor. Eine Requisite entstand aus einer Laune. Das Stück atmete und wuchs, statt von oben herab strukturiert und inszeniert zu werden. 

Dabei war es wichtig, dass die Sprache immer wieder angepasst wurde, wenn sich eine der spielenden Personen mit dem Text nicht wohlgefühlt hatte oder er zu lang oder kompliziert war. „Wir haben die Ensemble-Mitglieder eingeladen, eigene Worte für den Inhalt zu finden", sagt Arsalan.

Donnerstags, zwei Stunden, seit 2008 – eine Stunde davon Ankommen, Warm-up, Befindlichkeitsrunde. Reine Probenzeit: etwa eine Stunde pro Woche. „Eigentlich nur eine Stunde Donnerstags quasi." Und damit haben sie das alles hingekriegt. Für mich als Zuschauer war es ein Leichtes, mitzugehen – und dabei zu vergessen, welch ein Aufwand dahintersteckt.  


Sehr frei nach Molière: Wie aus einem Schulstück modernes Inklusionstheater wurde

Molières Klassiker „Der eingebildete Kranke" ist ein dreieinhalbstündiges Stück aus dem 17. Jahrhundert, mit einem tragischen Aspekt, Molière selbst betreffend (siehe Infobox oben). In dem Stück tyrannisiert Argan, ein hypochondrischer Patriarch, sein familiäres Umfeld mit Ärzten, Medikamenten und gespielter Gebrechlichkeit. Dann rät man ihm: Stell dich tot, um zu sehen, wer dich wirklich – trotz deiner nervtötenden Art – liebt! Wie ist Liebe, die nicht an Bedingungen geknüpft wird, die nicht fragt, ob jemand „passt", ob er sich immer konform und angenehm gibt? Dieser weitere Zusammenhang mit dem Leben von Menschen mit Behinderungen und deren Rechten und Bedürfnissen kam mir beim Schreiben, weil die Aufführung vom 24. April nachwirkt.

Die Grundlage des von den Hottenschlotten entwickelten Stücks war nicht Molières Version, sondern eine Kurzfassung aus dem Jahr 2015 für Schulbühnen, die Panknin und ihr Team weiterbearbeiteten. Dann begann der eigentliche kreative Prozess: Jede Person im Ensemble schlüpfte dabei in jede Rolle. Improvisiert, ausprobiert, abgeschaut. Figuren wurden mit den eigenen Ideen der Spielerinnen und Spieler gefüllt. Textpassagen entstanden kollektiv.

Und dann die modernen Einschübe – und die waren bezaubernd. Die unlimitierte „Golden Exzess Kreditkarte". Die digitale Krankenakte, die auf der Bühne eingescannt wird – mein Kampf mit der ePA-App spielte sich im Kopf noch einmal ab. Es war befreiend, das Ganze als dilettantisch, als analoges Denken hinter digitaler Fassade, interpretieren zu können. Geldscheine aus der Wasserpistole. Die KI namens Siri. Das schwule Pärchen, das am Ende zusammenkommt. Die Tochter, die Medizin studiert, statt zu heiraten. Ideen aus dem Hier und Jetzt, aber auf eine Weise in das Stück integriert, die auch Profitheater mit modernisierten Fassungen von Klassikern nicht besser hinbekommen.

Wer hatte die Idee mit der KI? Tanja Riedel, die Pauline Argan spielt. Sie kam und sagte: „Wie wäre es, wenn eine künstliche Intelligenz dabei mitspielt?" Genau so wuchs dieses Stück. „Wir meinten: ja, klar. Müssen wir dann aber erst reinschreiben." Einige der Szenen mit der KI Siri hat Tanja Riedel selbst verfasst. Und dann freuten sich alle bei der nächsten Probe über die neue Figur.

Dieter Hallervorden, der zum 90. Geburtstag den „Eingebildeten Kranken" im Schlossparktheater inszeniert hat, habe sich an die traditionelle Fassung gehalten, sagt Nadia Panknin. Die Hottenschlotten haben den Kern bewahrt – das Totstellen, das Enthüllen der wahren Gefühle – und um ihn herum eine Gegenwart gebaut, die man kennt und wiedererkennt.

Wir fanden, dass vieles wirklich wie im 17. Jahrhundert ist. Aber es passt nicht alles für diese sehr vielfältige Gruppe, die wir haben", sagten die Theatermacherinnen. Also gibt es ein schwules Pärchen als Überraschung am Ende. Also studiert die Tochter Medizin. Also hat die böse Stiefmutter ausgedient. Diese Brüche, sagt Panknin, waren ihnen wichtig – und der Gruppe hat es Spaß gemacht, sie gemeinsam zu entwickeln.
  

Das Ensemble: Alte Bühnenhasen und neue Talente

Das Stück dauerte am Premierenabend knapp zwei Stunden mit Pause. Ich hätte es auch ohne Pause gut durchgestanden, jedenfalls stand ich nach dem ersten Teil nicht auf, sondern wechselte nur das Kamera-Objektiv, um aus der Nähe alle Mitspielenden aufs Bild zu bekommen:

René Werner, der den Argan, den eingebildeten Kranken, spielt – die einzige Figur, die während der gesamten Spielzeit auf der Bühne ist, mit entsprechend viel Text. Alexander Kirstein als Dr. Alex Rossmann. Volker Rührmund, der seit 2009 dabei ist und den Dr. Charité gespielt hat – sein letzter Auftritt bei den Hottenschlotten. Er geht in die Theaterrente.

Leon Schiprowski, das jüngste Ensemblemitglied, Zweitbesetzung für Stefan Ellert in der Rolle der Berta – und nach Aussage der Theaterleiterinnen ein echtes Naturtalent: Er ist hineingewachsen in die Gruppe, bei Abwesenheiten eingesprungen, hat eine Rolle für sich entwickelt. „Der Älteste geht, der Jüngste kommt", sagt Natalie Arsalan, und es klingt nach echtem Respekt.  

Die Dynamik im Ensemble beschreiben beide Theaterleiterinnen mit Worten jenseits professionellen Jargons. „Eine wahnsinnig homogene, sozial hochkompetente Gruppe." Eine Gemeinschaft. Eine Familie, wie jemand auf der Premierenfeier sagte. Jemand, der nach langer Krankheit zurückkommt, wird begrüßt wie ein lang vermisster Freund. Schüchterne Neue werden behutsam an die Hand genommen, ohne dass die anderen darauf hinweisen – sie tun es einfach. „Das ist beglückend", sagten beide Theatermacherinnen. „Das ist ein Geschenk."

Und noch etwas, das mich beschäftigt hat: Menschen, die selbst Diskriminierung erlebt haben, entwickeln eine besondere Sensibilität für andere. „Ich frage mich, ob es damit zu tun hat, dass Empathiefähigkeit entsteht, weil man weiß, wie es sich anfühlt, nicht angenommen zu werden. Wir könnten von denen lernen“, sagt Natalie Arsalan. Da ich die Gruppe habe spielen sehen, weiß ich, dies ist gelebt, nicht behauptet.   
 

Methode, Handwerk, Inspiration – und Persönlichkeiten

Nicht alle im Ensemble konnten den Text einfach mit nach Hause nehmen und lernen. Also entstand Sicherheit durch Wiederholung. Durch Einübung. Durch öffentliche Proben, Szenen, die zum Beispiel bei der Jubiläumsveranstaltung „35 Jahre Charlottchen" im Jahr 2025 gespielt wurden, einer der ersten Veranstaltungen von Mosaik, bei denen ich anwesend war. Zwei Voraufführungen vor echtem Publikum am 10. und 11. April, bevor am 24. April die offizielle Premiere stattfand. Ein Konzept, das Panknin sich am Renaissance-Theater abgeschaut hat – und das den Druck aus dem Premierenabend nahm: „Da habe ich schon zweimal vor Publikum gespielt, dann kommt das große Tata."

Arsalan bringt Improtheater-Erfahrung mit, Panknin dramaturgisches Handwerk. Die Auftritte und Abgänge mussten erarbeitet werden – „Clemens, wo bist du?" war zeitweise ein Running-Gag der Proben. Aber es hat sich zusammengefügt. „Es sah fast wie improvisiert aus, obwohl man sieht, dass es geprobt wurde", sagte jemand am Premierenabend. Genau das ist das Kompliment.

Die Rolle als Mantel, der passt – das war das Bild, das Panknin verwendete. Jede Person hat ihre Figur so mit sich selbst ausgefüllt, mit eigenen Ideen, eigener Lebendigkeit, eigenem Humor, dass sie wirklich zu ihr gehört. 

Tanja Riedel als Theater-Erfahrene nahm die Herausforderung einer „bösen" Rolle als Argans Frau Pauline an, die sie sich selbst nicht gegeben hätte. Philip Marquaß als Winky, der Hauself, der immer verschmitzt lächelt und mit Viren um sich wirft. Huyen Nguyen als Angie Arsalan, die Medizin studieren will, mit ihrem Talent zum filmischen Spiel ist in der Love-Story und spielt in der Traumszene eine Horror-Figur. Emil Schreiber, der aus den Ölladen-Werkstätten kommt, porträtiert Clemens, den Freund von Angie, als Flötenspieler, der einen tollen Schulsakzent mit einem Tanz setzt. „Bringt er dir jetzt die Flötentöne bei?", sagt Arsalan, eine Idee, die von seinem Darsteller René stammt. Emil Schreiber und Philip Marquaß glänzten mit ihrem Talent zur Pantomime. Julia Glaubitz als Lulu. Stefan Ellert / Leon Schiprowski als Berta. Vivien Zach als Toni. Daniel Schönfeld als Frau Rossmann, deren Talent zum Spiel mit Blicken genutzt wurde. Angela Buergel als Frau Bayer.

Alle theaterfördernden Eigenarten der Mitspielenden wurden akzentuiert: „Auskosten! Wir wollen das sehen", hatten die Theatermacherinnen ermuntert. Ein Ensemblemitglied, eine Rolle. Das ist der Lohn für jahrelanges, unverzagtes Sich-Einbringen.

Wir  präsentieren alle Spieler und Spielerinnen mit ihren Rollen am Ende noch einmal in einer übersichtlichen Infobox.
 

Pläne und Wünsche für die nächste Zeit

Es soll nicht bei drei Aufführungen bleiben. Im Oktober 2026 ist eine weitere Vorstellung im Charlottchen geplant, vielleicht auch zwei oder drei, und vielleicht eine weitere als Sonntagsnachmittagsvorstellung – noch ohne festen Termin, denn Nadia Panknin muss drei Kalender koordinieren: den Planer der Gruppe, den Restaurantbetrieb und den Fußball-Spielplan. Champions League hat Priorität. Weihnachtsfeiern auch. „Das sind 1.500 bis 2.600 Euro, wenn jemand den ganzen Laden mietet."

Mittelfristig träumen die beiden von einem Auftritt auf einer anderen Bühne – vielleicht in Kooperation mit einem anderen Theater, gerne am Mosaik-Standort Kuhhorst, weil er eine Freilichtbühne hat. „Ich füge einen Satz den Artikel ein, da steht drin: Wir würden uns mehr Aufführungen wünschen", sagte ich während des Interviews. Wer Interesse an einer Kooperation hat, kann sich gerne an das Team des Charlottchens wenden. Hier die Infos:

Die Hottenschlotten online
 
•    Instagram: @hottenschlotten – Einblicke in Proben und Aufführungen, mit Ankündigung der Premiere  
•    Mosaik-Berlin – Charlottchen Brasserie (Theater): mosaik-berlin.de/de/charlottchen-brasserie
•    Veranstaltungskalender Charlottchen: gastro.mosaik-berlin.de/veranstaltungen-im-charlottchen/
•    Facebook (Mosaik-Berlin): Ankündigungen der Aufführungen unter facebook.com/mosaikunternehmen

Was kommt & was bleibt

Das nächste Stück ist bereits in der Entstehung – diesmal ohne Vorlage. Es soll von der Gruppe entwickelt werden, gestaltet aus den Themen und Lebensrealitäten der Spielerinnen und Spieler. „Wir wollen euch aber nicht darauf reduzieren: Ihr müsst kein Stück über Behinderungen machen, nur weil ihr bei Mosaik seid", sind sich die Theatermacherinnen einig. Diskriminierung als Thema nur, wenn die Gruppe es will. Aber auch alles andere. „Wir können über alles reden." Wann es fertig sein soll? „Dieses Mal dauert es keine fünf Jahre", sagen beide und lachen.

Ich habe diesen Artikel mit einem Geständnis begonnen: Ich war beinahe zu abgelenkt vom Lachen und Mitfiebern, um gute Fotos zu machen. Aber ich glaube, es war richtig für diesen Premierenabend. Dabei zu sein, man selbst zu sein, zu genießen und persönlich etwas mitzunehmen.

Wenn das Publikum vergisst, dass es Publikum ist, dann ist die Illusion des Theaters als Spiegel des Lebens perfekt. Wenn ein Gag sitzt, weil er wirklich von jemandem kommt, der ihn erlebt hat. Wenn eine Szene berührt, weil man spürt, dass die Person auf der Bühne weiß, wovon sie spricht. Ich wünsche den Hottenschlotten und Mosaik-Berlin, dass viele weitere Menschen diese Erfahrung machen können.

Schlussendlich habe ich wieder etwas vom Mosaik-Geheimnis erfahren. Es ist der Zauber, der sich Kontinuität nennt und solche Abende ermöglicht. Für einen Zauber klingt das nicht spektakulär, aber bei jedem Interview, das ich bisher geführt habe, traf ich auf Menschen, die schon lange hier arbeiten und am liebsten immer weitermachen möchten. So wie Nadia Panknin, wie Tasha Arsalan, wie die Ensemblemitglieder. Deren Stetigkeit in allgemein oder persönlich schwierigen Zeiten sichert Projekte wie „Der eingebildete Kranke" und lässt sie so gut werden.

Mehr besondere Mosaik-Momente und -biografien finden Sie hier zu Thomas Müller, Agnes Lichtenberg, Frank Jeromin. Aktuelles über die arbeitsbegleitenden Angebote und ihre Highlights lesen Sie bitte Tischtennis-Turnier Mitte 2026.  


Das Ensemble – „SEHR frei nach Molière – Der eingebildete Kranke"

Rolle                                              Darsteller / Darstellerin
Argan, der eingebildete KrankeRené Werner
Pauline Argan, seine EhefrauTanja Riedel
Angie Argan, seine TochterHuyen Nguyen
Lulu Argan, seine TochterJulia Glaubitz
Berta, Argans SchwesterStefan Ellert
Leo Schiprowski (Zweitbesetzung)
Toni, Argans HaushilfeVivien Zach
ClemensEmil Schreiber
Dr. Alex RossmannAlexander Kirstein
Frau RossmannDaniel Schönfeld
Frau Bayer, ApothekerinAngela Buergel
Dr. CharitéVolker Rührmund
Siri (KIAleksandra Lazorek
Winky (Hauself)Philip Marquaß

 

Choreografie: Ida Baltes & Katrin Braun
Projektleitung: Nadia Panknin & Tasha Arsalan 


Über den Autor

Thomas Hocke schreibt, seit er als 13-Jähriger seine ersten Kurzgeschichten ausprobierte, und arbeitet seit vielen Jahren regelmäßig an Texten. Er leitete eine Online-Schreibgruppe, veröffentlichte über mehrere Jahre Kurzgeschichten und nimmt bis heute an Schreibprojekten teil. Außerdem betreibt er ein privates Weblog zu Politik und Kultur. Nach einem Berufswechsel in die Öffentlichkeitsarbeit arbeitet er seit 2025 bei Mosaik und ist Mitglied unseres Blog-Teams.
 

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